peter schlör "black & wide"

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exhibitions at arthobler

2013"black & wide"
  


http://www.peter-schloer.de

25th april - 1st june 2013

Peter Schlörs (1964) neue Arbeiten enthüllen einen pictoralen Ansatz. Der Künstler benutzt Naturphänomene wie das Meer, Wolken, Gebirge oder Wälder um eine malerische Oberfläche in seinen Bildern zu erreichen. Die verschiedenen Strukturen und Beschaffenheiten fügen sich zu beinahe abstrakt anmutenden Bilderwelten zusammen. Schlör löst sich in diesen Arbeiten vom dokumentarischen Element der Fotografie und widmet sich inhaltlichen und ästhetischen Fragestellungen.

Für seine Bilder wartet Peter Schlör auf den Moment, in dem sich die Natur in einer für seinen Bildaufbau perfekten Komposition zusammenfindet. Es ist auf der einen Seite das Gewaltige der Natur, das er einfangen will; andererseits sind diese Momente so ausgewählt, dass sie dem Pinselduktus eines Malers gleichkommen. Das sehr  Bauschige, Voluminöse der Wolken in manchen seiner Bilder, wird durch das Licht präzise ausgearbeitet. Wolkenschleier und Nebeldunst, die einen poetischen und oft mythischen Eindruck erwecken, werden gezielt im Kontrast zu den scharfen Konturen von Wäldern und Felsen eingesetzt.

Der Entzug der Farbe abstrahiert das Motiv von seiner Realität und betont die Bedeutung der Formensprache. So sind es keineswegs mehr Abbilder der Natur, sondern vielmehr Kompositionen verschiedener Oberflächenwirkungen. Damit kann man Schlör mit der Tradition der Pictoralisten in Verbindung setzen, denen auch Fotografen wie Alfred Stieglitz angehörten. In dessen „Equivalents“ von 1922 wehrte sich Stieglitz gegen die Kritik, allein seine Motive würden über die Stärke seiner Fotografien entscheiden. Die über 200 Arbeiten umfassende Serie zeigt Wolkenformationen am Himmel, die sich in ihrer Form dem Gegenständlichen entziehen. Diese Arbeiten gelten als einige der ersten Fotografien, die sich der abstrakten Kunst zuordnen lassen und formulierten damit neue Ansprüche an die Fotografie. In seiner Rezeption wurde Stieglitz oft mit Malern des Impressionismus verglichen.

Auch Schlörs gestochen scharfe Aufnahmen von leichten Wolkenschleiern erinnern an die Werke des britischen Impressionisten William Turner. Die monumentalen Wolkenformationen können ebenso diffus und vage sein wie eine von Sturm aufgewühlte See bei Turner. Das Paradoxe: Schlör erschafft diesen diffusen Eindruck durch hochauflösende Fotografie. Mit diesem Medium, das sich eigentlich vor allem durch Exaktheit auszeichnet, erreicht er sogar die Anmutung eines pastosen Farbauftrags. Wie einzelne Schichten trägt er die unterschiedlichen Strukturen von Bäumen und Felswänden so in einem Bild zusammen, sodass sie ineinander verschmelzen. Das Schwarz-Weiß seiner Bilder präzisiert Schlörs außerordentliche Empfindsamkeit gegenüber dem Licht, die auch in Turners Werken bestaunt wurde. Die teilweise sehr subtilen Übergänge von Hell zu Dunkel und die ebenso vorkommenden harten Kontraste erzeugen eine starke Formensprache. Damit überwindet Schlör die Prävalenz des Motivs und macht seine Position als Urheber deutlich.

Auf den kanarischen Inseln hat Peter Schlör das passende Setting für seine Werke gefunden. In den fast unberührten Landschaften erfährt der Fotograf Momente des Ursprünglichen. Sowohl magische und mystische Momente als auch dramatische und gewaltige Szenen spielen sich dort ab. Schlör zeigt die Natur als geheimnisvolles und mächtiges Wesen; der Mensch kommt darin nicht vor. Mit den Möglichkeiten der digitalen Fototechnik fängt er die auf den Inseln besonders sensiblen Lichtstimmungen ein und konstituiert damit einen Ruhepol gegenüber der Übermacht von bunter Pop- und Werbefotografie. Er transportiert die Romantik der Natur in eine modernisierte Welt und macht dabei auf eine Zeitlosigkeit aufmerksam, die sich erst durch ein bewusstes Innehalten entdecken lässt.

Dana Weschke, München